Chronik

Die Geschichte der Ortsgruppe Westerheim

Man schrieb das Jahr 1895 als der Westerheimer Schultheiß A. Schmid dem Schwäbischen Albverein in Stuttgart beigetreten war. Es wird vermutet, dass er von den Zielen und Aufgaben des Albvereins sehr überzeugt war. Deshalb schaute er sich nach Gleichgesinnten um, die mit ihm die Ortsgruppe Westerheim ein Jahr später gegründet haben. Leider ist überhaupt nicht bekannt, wo sich Unterlehrer Franz Balluff, Schullehrer Johannes Bertram, Pfarrer Mathias Butz, Kaufmann J. R. Eckert und Lehrgehilfe Anton Waidele getroffen haben. Genauso wenig ist auch das Gründungsdatum bekannt. Unterlagen und Aufschriebe, ob die Gründungsmitglieder gerne gewandert sind, welche Aktionen sie ins Leben gerufen haben, sind beim Umsturz im April 1945 verbrannt.

Mündlichen Überlieferungen zufolge hat sich im Jahre 1900 der Albverein der Schertelshöhle angenommen. Treibende Kraft damals war Oberlehrer J. Segmüller, der mit den über 60 Mitgliedern des Albvereins die Höhle wieder in einen ordentlichen Zustand und ihre Naturschönheit zur Geltung gebracht hat. So wurden 20 Wagenladungen Lehm aus der Höhle entfernt, das Eingangstor wieder hergerichtet, die Wege mit Schotter versehen, damit auch die Damenwelt leicht beschuht die Höhle besichtigen konnte. Der Vorplatz wurde mit Ruhebänken ausgestattet und nett bepflanzt. Die Albvereinler Jordan Baumeister, Wagnermeister und Eugen Knupfer Kaufmann, zeigten sich als kundige Höhlenführer.

Der Albverein ist bei der Westerheimer Bevölkerung sehr gut angekommen. Fünf Jahre nach seiner Gründung hatte er schon ungefähr 60 Mitglieder. Wie sich der Verein weiter entwickelte, ist nicht bekannt. Der Erste Weltkrieg (1914 bis 1918) tat sein übriges. Nach dem Ersten Weltkrieg steckten die Vereinsmitglieder wieder viel Zeit in die Betreuung der Schertelshöhle. Aus mündlichen Überlieferungen weiß man, dass Eugen Knupfer – er war für die Betreuung der Höhle zuständig – ab und zu seinen Laden schloss, um interessierten Wanderern die schöne Höhle zu zeigen. Auch Josef Baumeister, Sohn des Jordan Baumeister, wurde von seinem Vater oft in die Höhle mitgenommen. Die Höhle hatte es ihm bald angetan und so war es kein Wunder, dass er als Höhlenführer agierte. Die Wirren während des Zweiten Weltkrieges konnte die Albvereinler nicht abhalten, sich um ihre Höhle zu kümmern.

Josef Baumeisters Bemühungen ist es zu verdanken, dass der Westerheimer Albverein am 24. Mai 1952 im Gasthaus „Adler“ wieder gegründet wurde. Er wurde von den zwölf Gründungsmitgliedern zum Vertrauensmann gewählt. Zu den umliegenden Albvereinsgruppen wurde Kontakt gepflegt. So traf man sich im November 1952 zum ersten Mal bei einem Albvereinstreffen in Donnstetten. Neben der Betreuung der Schertelshöhle standen und stehen heute noch bei der Westerheimer Ortsgruppe vielfältige Ausflüge auf dem Plan. Selbst der Kontakt zu den örtlichen und überörtlichen Vereinen wurde und wird gepflegt. Oskar Tritschler war der erste Naturschutzwart des Westerheimer Albvereins. Tritschler ist zu diesem Posten gekommen, weil in Laichingen eine Naturschutz Tagung stattgefunden hatte und der Albverein Westerheim gebeten wurde, einen Naturschutzwart zu wählen.

Bei einem herrlichen Frühlingstag trafen sich am 17. Mai 1953 Wanderer aus allen Richtungen, um beim Höhlenfest und der Gausternwanderung teilzunehmen. Vertrauensmann Josef Baumeister konnte ungefähr 3000 Personen begrüßen. Noch nie waren so viele Besucher zur Schertelshöhle gekommen.

Im Jahr 1955 wurde der Albverein auch als Theatergruppe bekannt. Während der Weihnachtstage spielten die Mitglieder „Unter falschem Verdacht“ und „Toni und seine drei Frauen“. Das Interessante dabei war: Die Aufführungen wurden an drei Tagen gezeigt:  für Ledige, Verheiratete sowie für Mitglieder und Gäste.

Am 2. September 1956 konnte der Westerheimer Albverein viele Gäste willkommen heißen. In der Albgemeinde fand die Jahrestagung der Vereinigung der Schwäbischen Höhlenfreunde im Rössle Saal statt. Studienrat Timmermann sprach über den geologischen Aufbau des Tales bei der Schertelshöhle. Der interessierte Laie konnte ein umfassendes Bild über dieses Thema gewinnen. Den Ausflug des Albvereins am 26. Mai 1957 werden viele nicht vergessen. Er führte nämlich zur Hauptversammlung des Schwäbischen Albvereins in Ravensburg. Dort haben die Westerheimer zum ersten Mal den neuen Vereinswimpel mitgeführt. Fähnrich Alois Baumeister nahm mit Stolz und Würde das erste Wimpelband entgegen. Der Ausflug führte dann weiter zum Bodensee. Eindrucksvoll war auch die 70-Jahr·Feier des Hauptvereins am 22. Juni 1958 in Stuttgart. Die Westerheimer Albvereinler waren mit von der Partie. Dort bekamen sie ihr zweites Wimpelband. Fünf Jahre später reisten sie wieder nach Stuttgart, um das 75. te Jubiläum auf dem Killesberg zu feiern

Eine besondere Ehrung wurde Josef Baumeister 1968 zuteil. Bei einem Abschlussabend der Theaterspieler im „Rössle“ wurde er zum Ehrenvorstand ernannt. Das Ereignis wurde natürlich bis in die Morgenstunden gebührend gefeiert.

Zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte veranstaltete der Westerheimer Albverein mit der Kolping-Jugend am 24. Juni 1972 eine Sonnwendfeier auf „Sattenlehen“. Während die Flammen haushoch gen Himmel stiegen, waren sinnige Gedichte und das Lied „Flamme empor“ zu hören. Ungefähr 100 Leute kamen zu diesem Ereignis. Rektor Glöckler und Konrektor Hirschner trugen mit ihrer Kinder-Gitarren-Gruppe zum Gelingen der Feier bei. Seit dieser Zeit ist es beim Albverein Tradition, am längsten Tag des Jahres das Sonnwendfeuer zu entzünden, Bei einer Hauptversammlung am 2. Dezember 1972 im „Adler“ wurde das (Wieder) Gründungsmitglied Friedrich Kneer anlässlich seines 85. Geburtstages als erstes Ehrenmitglied der Ortsgruppe ernannt.

Ein Großereignis stand den Albvereinsmitgliedern am 18. Oktober 1981 wieder ins Haus. Die Gausternwanderung des Filsgau führte zur Schertelshöhle. Bürgermeister Hans Walter und Filsgauvorsitzender Ulrich Gaugel würdigten damals die Sternwanderung als Anerkennung für die Westerheimer Mitglieder und hoben den Sinn des Wanderns und die Aufgaben der Albvereinler für die Erhaltung und Pflege der Natur hervor.

1985 stand der Westerheimer Albverein fast vor dem Aus. Vertrauensmann Horst Schrade hatte die Vereinslast fast alleine zu tragen. Man dachte schon an eine Vereinsauflösung. Bürgermeister Walter ließ es aber nicht zu, dass in Westerheim ein Verein aufgelöst wird.

Bei der Versammlung vom 10. Mai 1985 überredete er einige Albvereinler zu neuen Aktivitäten. Fast demokratisch wurde der neue Vorstand von der Versammlung gewählt, an seiner Spitze Martin Huber. Er und Wanderwart Reinhold Rehm schafften es, die Mitglieder zu mobilisieren. Sie haben immer wieder interessante und gute Wanderungen angeboten. Mit der Zeit haben sich wieder viele Wanderer eingefunden.

Eine besondere Freundschaft unterhält der Albverein Westerheim mit der Ortsgruppe Ohmenhausen. Mehr durch Zufall haben sie sich bei einer Hauptversammlung kennen­ und schätzen gelernt. Seit dieser Zeit unternehmen beide Vereine gemeinsame Wanderungen.

Die Aufgaben im Westerheimer Albverein sind in den vergangenen Jahren nicht weniger geworden. So sind die Albvereinler bei der Biotopvernetzung auf Westerheimer Gemarkung als Verpflegungstrupp dabei. Die Ortsputzete wird gemeinsam mit Bauhof und Schule durchgeführt.

1990 ist Manfred Rehm zum Vertrauensmann des Westerheimer Albverein gewählt worden. Er bietet seither den Westerheimer Kindern im Rahmen des Sommerferienprogramms einen Tag lang Kurzweil an. Außerdem finden regelmäßig Seniorenwanderungen statt, nach dem Motto „Senioren nicht betreuen, sondern aktivieren“. Lichtstubenabende, Grillnachmittage und Vorträge runden mittlerweile das Vereinsgeschehen ab.

Der Westerheimer Albverein hat die 100 Jahre gut überstanden. Aus den anfänglich sechs Mitgliedern sind pünktlich zum 100.sten Geburtstag 100 Mitglieder geworden. Erst vor wenigen Tagen haben sich Brunhilde und Josef Kapfer für eine Mitgliedschaft entschieden.

***Erstellt von Manfred Rehm zum 100 jährigen Jubiläum des Vereins***

 

…. Es folgten weitere aktive Jahre und Menschen, die unseren Verein voran brachten und neues mit in unser Vereinsleben brachten.

Wie wir uns aktuell präsentieren und was wir das ganze Jahr über veranstalten und in Bewegung bringen, das lesen sie Bitte auf unserer aktuellen Homepage nach.